Erinnerungen
Grüße von DukeFreitag 26.Dezember.2014 17.36
Duke ist leider aus altersbedingt über Regenbogenbrücke gegangen




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Erinnerungen
OdinSonntag 10.Juli.2011 18.23

Im letzten Jahr konnten wir verhindern, dass der junge Doggenrüde eingeschläfert werden sollte (siehe unseren Bericht unter „Zuhause gefunden“). Das gesamte Team der Doggen-Nothilfe war sehr glücklich,  dass wir sein Leben erhalten konnten. Ganz besonders haben wir uns darüber gefreut, dass sich bald Menschen bei uns meldeten, die ODIN ein Zuhause bieten wollten. Bei Frau B. und Herrn W. mit Doggenhündin QUIRA durfte ODIN für kurze 8 Monate ein wundervolles Zuhause finden. Nun ist er tot. Wir trauern um ihn und mit denen, die ihn verloren haben.



 


Hallo Frau Gorski,


wir würden uns sehr freuen, wenn Sie die Geschichte von Odin unter die Rubrik Erinnerungen stellen würden:



 


Leider mussten wir uns am 05.07.11 viel zu früh von unserem verschmusten, lieben, treuen Odin verabschieden. Wie sich heraus stellte, wurde er mit einem Herzfehler geboren und es gab leider keine Chance auf Heilung. Wir sind ihm unendlich Dankbar für die wunderschönen 8 Monate mit ihm und hätten uns sehr gewünscht es wären 8 Jahre gewesen. Wir vermissen in unheimlich und sind zutiefst traurig. Uns fehlen die Worte...


Anbei noch ein paar Fotos von unserem "Großen"




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Erinnerungen
Willi und DaschaMontag 10.Januar.2011 20.25

Willi, (auch: Sir Wilfried) im Wald


 


Ein kleiner Rückblick auf die Begegnung mir Frau Gorski, die uns zu unserem Willi verholfen hat und mit ihrem bewundernswerten Einsatz in der Doggen-Nothilfe uns dazu veranlasst hat, zusätzlich einen Pflegeplatz für ein Dogge in Not einzurichten. Mit dem Entschluss, sollten wir uns nicht mehr von diesem Pflegehund trennen können, einer zweiten Dogge in Christianslust ein zu Hause zu geben. Vorausgesetzt, Willi ist damit einverstanden.


 


Nun aber dazu wie alles begann.


 


Unser Freund Bernd besucht uns und wir sitzen gemütlich in der Küche und trinken Kaffee. „Es wird Zeit, dass wieder ein Hund ins Haus kommt.“ Ich horche auf! Dies aus dem Mund meines Mannes? Innerhalb eines viertel Jahres hatten wir unsere beiden Hunde verloren. Thyggo, 13 Jahre, musste wegen eines Nierenleidens eingeschläfert werden. Thor, knapp ein Jahr alt, lief meinem Mann direkt ins Auto. Es gab keine Rettung. Ein Unfall, der uns lange belastete.


 


Endlich! Nach mehr als sechs Monaten die winzige Hoffnung, dass wieder ein Hund in Christianslust leben würde.


 


Ich sitze am Telefon. „Bitte die Telefonnummer des Tierheims Süderstr. in Hamburg. Aha, ja Danke.“ Diskret aber unübersehbar bringe ich den kleinen weißen Zettel mit der großen schwarzen Telefonnummer auf den Schreibtisch meines Mannes in Position. Die erwünschte Wirkung blieb aus.


Nach Tagen fragte ich fast entmutigt: „Wann fahren wir ins Tierheim?“ „am Wochenende.“ Ohne Hund aber mit der Internetadresse der Doggen Nothilfe in der Tasche kamen wir wieder zu Hause an. Mein Mann hatte seinen Thor gesucht, ihn aber nicht gefunden.


War es doch noch zu früh für einen neuen Hund?


 


Erst am späten Abend ging mein Mann ins Internet und wir setzten unseren Hundewunsch hinein. Wieder entstand das Bild von Thor. Groß, kräftig, schwarz usw.


 


Eine Antwort kam schnell und wir erhielten die Telefonnummer von Frau Gorski, die uns skeptisch und prüfend bei unserem ersten Telefonat auf Willi hinwies, der in unserer Nähe in einer Pflegestelle lebte. „Schauen Sie ins Internet, dort gibt es ein Bild von Willi und die Nummer der Pflegefamilie. Ich komme am Samstag um 14 h, um Sie kennen zu lernen und die Unterbringung eines Hundes zu überprüfen.“


 


Abends wieder im Internet.


„Dea, komm mal bitte, hier ist Willi.“ So schnell bin ich noch nie von einem Sofa gesprungen. Und dann meine Enttäuschung. Da war zwar Willi, aber nicht schwarz und überhaupt keine Ähnlichkeit mit Thor. Willi ist hell mit schwarzer Maske. Doch sein Bild ließ uns irgendwie nicht los und plötzlich gab es kein Halten mehr. Am nächsten Tag Anruf bei der Pflegefamilie, die sofort Zeit für uns hatte. Auf der Fahrt von der Nordsee zur Ostsee war meine Aufregung kaum noch zu unterdrücken. Keine Reaktion bei meinem Mann. Wie wird die erste Begegnung verlaufen?


Sie erwarten jetzt bestimmt das spektakuläre Erlebnis. Weit gefehlt. Mich erwartete ein Hund, der mich optisch überhaupt nicht ansprach, und ich war sicher, auch mein Mann würde auf diesen so völlig anderen Thor nicht reagieren.


Aber es kam anders.


Wir verließen die Familie mit der Bitte, Frau Gorski möge Willi am Samstag gleich mitbringen. Willi war unser Hund. Wir wollten keinen Tag länger auf ihn warten. Es war einfach Willi, der uns mit seiner stillen, versteckten Persönlichkeit beeindruckt hatte. Es ist bis heute so geblieben. Er überrascht uns jeden Tag aufs Neue.


 


Samstag, 14 h 30. Keine Frau Gorski, kein Willi. Wird sie uns nicht finden? Verspätet sie sich nur? Hat sie es sich doch anders überlegt? Selbst mein Mann wurde langsam nervös. Nachdem ich unzählige Male zur Haustür gelaufen war, endlich das fremde Auto auf dem Grundstück. Sie sind da. Meine ersten Worte waren nicht „Guten Tag“, sondern „Wo ist Willi?“ „Im Auto“ Gott sei Dank. Das Warten hatte ein Ende. Ich nahm die verdutzte Frau Gorski in den Arm. Ich war einfach nur glücklich. Willi stieg gelassen aus, begrüßte uns nebenbei, sagt freundlich den Hühnern, die überall herumgackerten guten Tag und schnüffelte langsam über den Hof. Ist das alles? Kann ich jetzt vielleicht erst einmal meinen Schlafplatz sehen? Auch im Haus gab es kein wildes, aufgeregtes Gerenne. Keine Unruhe. Wie ein König, der seine Thronfolge antritt, inspizierte er etwas unsicher seine Umgebung, um sich dann nach unzähligen Drehungen zu einem Schläfchen auf dem Teppich nieder zu lassen.


Willi war zu Hause.


Die Formalitäten waren schnell erledigt und Frau Gorski verließ uns. Der Nachmittag gehörte jetzt uns. Wir machten einen kleinen Spaziergang, um Willi einen Teil seines neuen Reviers zu zeigen. Ohne Leine lief er vor und neben uns, ohne davon zu stürmen. Zum Spielen war er nicht zu bewegen. Zurück arbeitet wir auf dem Grundstück. Die Försterei liegt mitten im Wald, und es gibt keine Zäune. Die zweite Probe musste bestanden werden. Willi machte nicht einmal den Versuch, sich selbständig zu machen. Er blieb in unserer Nähe. Der Trecker verunsicherte ihn anfangs ein wenig. Umso mehr freute er sich, wenn Herrchen endlich wieder aus dem Monster stieg. Das Füttern der Schweine war für Willi der Höhepunkt des Tages. Stolz stellte er sich der Gefahr und war kaum davon abzuhalten, in die rosigen Schnauzen zu beißen. Es war ein schöner Tag für alle. Mit dem Fressen tat er sich schwer. Abwarten. Vielleicht die Umstellung. Auch beim Essen gab es kein Betteln. Am Abend legte er sich nicht auf seinen Platz, sondern rutschte immer näher an meinen Mann heran, bis er zusammengerollt wie eine Kugel zu seinen Füßen lag. Suchte er Schutz oder wollte er ihm nur sagen ich vertraue Dir, ich will Dein Freund sein, obwohl Du ein Mann bist. Die Nacht über schlief Willi auf seinem Platz. Problemlos. Es war, als lebte er schon immer mit uns.


Den Sonntag verbrachte  ich allein mit Willi. Langer Spaziergang, lange Mittagsstunde, ausgiebige Fellpflege und Schmusezeit. Am Abend kam dann mein Mann und brachte unseren Sohn mit, der von Willi ebenfalls akzeptiert wird. Unsere Katzen ignoriert er. Nur wenn Samson ihm um die Beine streicht, lässt er sich zu einem freundlichen Schnüffeln herab. Die Kaninchen, die frei auf dem Grundstück leben, waren anfangs höchst interessant und jagenswert. Aber nach einem kurzen „Hier“ hat er schnell gelernt, dass die Schwarz-Weißen zur Familie gehören.


Trotzdem kann ich einen großen Fehler an ihm nicht verheimliche. Ich glaube es gibt keinen Hund, der so laut schnarcht wie Willi.


Das Fressen macht weiter Probleme. Er ist viel zu dünn und frisst zu wenig. Vielleicht die Zähne? Das falsche Futter? Montag wird ein anderer Futtersack gekauft.


Die Nacht verbrachte Willi diesmal auf dem Sofa. Nicht zu unserer Freude. Er hat zwei weiche Matratzen als Liegeplätze zur Auswahl. Da muss es nun wirklich nicht das Sofa sein, zumal es dunkelblau ist. Da wir aber wissen wie anziehend Sofas auf Hunde wirken, machen wir uns damit keinen Erziehungsstress. Zwei Stühle an dem richtigen Platz lösen dieses nächtliche Problem. Auch seine Sabberfreudigkeit halten wir durch genau platzierte Lätzchen, jederzeit griffbereit und wischfreudig, in Grenzen. Die Reste, die beim Schütteln dann doch einmal im Raum landen ignorieren wir bis zum nächsten Putztag.


 


Montag:


Das Wetter ist phantastisch. Ich sitze in der Sonne und Willi liegt ca. 1 ½  m hinter mir. Mein Mann kommt, beugt sich herunter und will mir einen Kuss geben. Mit Willi haben wir nicht gerechnet. Blitzschnell ist er bei mir, knurrt verhalten und sagt meinem Mann damit eindeutig: Bis hier her und nicht weiter. Freundlich, aber bestimmt machen wir ihm klar, dass dies eine völlig normale Situation sei, an die er sich gewöhnen müsste. Wir streicheln ihn und Willi scheint zufrieden. Dieser Vorfall wiederholt sich bei einer späteren Umarmung noch einmal. Ich halte mich in den nächsten Tagen im Umgang mit Willi zurück und das Problem ist gelöst. Heute beschützt er uns beide, nicht gegeneinander, sondern gegenüber Dritten. Diese Situation entscheidet er selbst. Manchmal leider auch gegen gute Freunde. Ein Anlass ist nicht zu ersehen. Wahrscheinlich Altlasten aus seiner Vergangenheit. Er reagiert aber sofort auf „Es ist gut, Willi.“ Bleibt trotzdem in unserer Nähe bis er die Lage wieder als entspannt ansieht.


Meine Spaziergänge mit Willi sind immer noch etwas anstrengend. Jogger kosten mich die letzte Kraft. Wir werden doch einmal die  Hundeschule ins Auge fassen. Willi lernt sehr schnell. Das Problem wird sich lösen lassen. Vielleicht reizt ihn in diesem Moment nur die Leine, da er ohne viel ruhiger ist. Nur möchte ich das nicht an unseren harmlosen Waldläufern ausprobieren.


Willi frisst immer noch schlecht. Trotz Bewegung und viel frischer Luft. Die nächsten Tage verlaufen ruhig, ohne Vorkommnisse. Warum auch, bei einem solchen Hund.


Der Besuch beim Tierarzt steht an. Wie wird Willi sich benehmen? Welch eine Frage. Gelassen wie immer. Schuppige Haut und stumpfes Fell begutachten, Zähne überprüfen, Impfen, Wurmkur, Ohrenentzündung bekämpfen, Analdrüse ausdrücken. Begeistert war er natürlich nicht. Aber es musste sein. Willi stank immer. Noch ein Mittelchen für seine Kondition, ein Shampoo für seine Haut und es war geschafft. Nach zwei Tagen stank Willi nicht mehr, aber mit mir unter die Dusche zu gehen hat er sich strikt geweigert. Er zeigt panische Angst vor dem Wasser. Wir warten nun auf den Hochsommer in der Hoffnung, dass er dann für eine Abkühlung dankbar sein könnte.


Mittlerweile spielt Willi auch mit dem Bällchen. Natürlich nicht wie andere Hunde. Hinterherstürmen ist langweilig. Einmal, das reicht. Fliegt der Tennisball aber in die Luft wird auch der Hund zum Ball. Sich mit allen Vieren vom Boden lösend, springt er hinterher und dies mehrmals. Es ist einfach filmreif. Wenn Willi sich freut sollte man möglichst weit an seinem Kopf stehen, denn beim Schwanzwedeln verteilt er eher Peitschenhiebe.


In seinen schnellen 5 Minuten ist Vorsicht geboten. Er rast schnell wie ein Pfeil um uns herum, schlägt Haken wie ein Hase und versucht, uns aus vollem Lauf heraus anzuspringen. Weicht man ihm aus und klatscht dann in die Hände, ist seine Freude kaum noch zu bremsen. Dabei erlaubt er sich manchmal einen übermütigen Biss in den Arm. Nicht schmerzhaft aber doch spürbar. Hier endet das Spiel mit einem heftigen „Aus“.


Willi nimmt zu. Ganz einfach. Wir mischen etwas Nassfutter unter das Trockenfutter. Er ist eben wählerisch.


Seine meist etwas geduckte Körperhaltung strafft sich langsam. Leider ist er sich immer noch nicht ganz sicher, dass nicht doch noch irgendwo Schläge auf ihn lauern könnten und zieht den Kopf zurück, wenn die Hand zum Streicheln von oben kommt. Seine Muskulatur entwickelt sich und der Tierarzt ist mit uns zufrieden. Geduld. Keine Überforderung. Versäumtes kann nicht so schnell wieder aufgeholt werden.



 


Herrchen läuft mir langsam den Rang ab. Ist ja auch klar. Ein kleines Leberwurstbrot nach dem Abendbrot. Mit Herrchen im Wald, natürlich ohne Leine. Da darf er dann auch mal einen Hasen jagen. Herrchen hat sowieso immer Zeit und immer eine Hand fei ihn zu streicheln.


 


Waldkutschfahrt in Christianslust. Die erste Begegnung mit einem Rüden (Anton). Die Kutscher sitzen gemütlich draußen und machen ihre Mittagspause. Auch unser Freund Bernd ist dabei, mit Anton. Ebenso mein Mann mit Willi. Na klar. Wo mein Mann ist, ist auch Willi. Mir war die Situation gar nicht bewusst. Ich puzzelte im Haus herum und als ich nach draußen ging, kam Anton mir entgegen. Der Schreck war groß, denn wir wussten ja nicht, wie Willi sich gegenüber anderen Rüden verhalten würde. Und da kam er auch schon, aber nicht zum beißen, sondern um zu schauen wo Anton bliebe, mit dem er die ganze Zeit auf der Wiese gespielt hatte. Typisch mein Mann. Bei solchen Proben lassen wir das ängstliche Frauchen lieber aus dem Spiel.


Anton ist wesentlich kleiner als Willi. Wir hoffen trotzdem, dass seine friedliche Grundhaltung auch für große Hund gilt. Selbst Morna, eine zickige Terrierhündin, wurde im Haus geduldet und durfte seinen Fressnapf leeren.


 


Thyggo und Thor haben wir trotz unseres Glücks mit Willi nicht vergessen. Sie sind es wohl, die uns Willi schickten und all ihre guten Eigenschaften in ihm vereint haben.


Wir sind froh, dass Willi sich bei uns wohl fühlt und uns mit liebevollen Schmuseeinheiten verwöhnt. Es gibt nichts schöneres, wenn einem Willi seinen schweren Kopf mit den langen Sabberlefzen vertrauensvoll in die Hände legt und seufzt.


Was für ein Hund. Ihn konnte man nicht brechen. Still und charakterfest hat er sein bisheriges Leben, das wir nur ahnen können, gemeistert und geduldig darauf gewartet seine Treue einem Menschen schenken zu können.


 


Wir bewundern diesen Hund, dessen linker hinterer Oberschenkel eine einzige riesige Narbe ist. Die größte von unzähligen, die seinen ganzen Körper bedecken.


 


Dascha, Willi und ihre Menschen


 


Ein Bericht über unseren Pflegehund, der bewusst machen soll, in welche Verantwortung man sich begibt, stimmt man einem Pflegeplatz zu.


 


So schnell kommt man auf den Hund bzw. auf den Zweithund.


 


Über Frau Gorski fanden wir unsren Willi. Auch bei Willi ist wohl wie bei allen Doggen, die ihr endgültiges Zuhause gefunden haben, die wunderbare „Vorher-Nachher“ Wandlung erfolgt. Haut und Fell haben sich regeneriert, und die unzähligen kleinen Wunden sind kaum noch zu sehen. Aus einem stumpfen Ocker ist ein glänzendes Rehbraun mit Aalstrich geworden. Von geduckter Haltung keine Spur mehr. Willi ist ein einziges Kraftpaket. In meinem ersten Bericht schrieb ich, dass er etwas unsicher seine Thronfolge antrat. Heute ist er König in Christianslust, der sein Herrchen über alles liebt. Tolerant zu Mensch und Tier, aber immer wachsam und bereit seine Familie jederzeit zu verteidigen.


 


Unterstützung hat er nun durch unsere Dascha bekommen, die schon nach ein paar Tagen einem unserer Jäger eindeutig klar machte, wie man sich in einem Haus in dem zwei Doggen leben, zu bewegen hat. Er, der leise durch das Haus schlich, um uns nicht in der Mittagsstunde zu stören, wurde von ihr hoch aufgerichtet, Auge in Auge und böse knurrend festgehalten.


 


Nachdem Willi ca. vier Wochen bei uns war, erreichte uns der Notruf von Frau Gorski, dass eine zur Zucht missbrauchte, an einem Tierheim angebundene und so entsorgte Doggenhündin dringend in einer Pflegefamilie untergebracht werden müsse. Sie könne nicht allein bleiben, würde ihre Umgebung zerstören und sich dabei selbst verletzen. Nachdem wir Aileen noch aus Unsicherheit abgelehnt hatten, und uns viele, viele Gedanken über das „Für und Wider“ eines Pflegeplatzes gemacht hatten, sagten wir sofort zu. Dass  Theorie und Praxis manchmal Welten trennen erfuhr ich dann nach ca. drei Monaten.


 


Unser Sohn und ich holten Dascha am frühen Nachmittag eines strahlenden Sonnentages (im Auto glühende Hitze) an einer verabredeten Autobahnabfahrt ab. Sie hatte hunderte Kilometer hinter sich, die die Helfer der „Doggen-Nothilfe“ reibungslos organisierten. Dascha kletterte aus dem Wagen. Schwarz – Weiß. Unheimlich lang, unheimlich mager, keine Muskulatur. Eine rosa Schnauze. Ein Auge mit einem weißen Fleck, das andere feuerrot und einem Gesäuge von dem wir uns nicht vorstellen können, wie viele Zwerge es schon genährt haben mag. Sie wusste überhaupt nicht mehr, was mit ihr geschah. Wieder fremde Menschen, die ihr ein Leckerli gaben, welches sie gar nicht wollte, ihr Wasser anboten, das sie ablehnte. Wieder ein fremdes Auto, in das sie geduldig einstieg. Herr St., der die letzte Wegstrecke fuhr, möge mir verzeihen. Meine Konversation war derartig oberflächlich, aber ich hatte nur den einen Wunsch, Dascha so schnell wie möglich nach Hause zu bringen.


 


Irgendwie verloren lag dieser große Hund in dem mit einem Mal riesig erscheinenden Geländewagen und ignorierte das Streicheln unseres Sohnes. Und wieder Kilometer um Kilometer bis endlich der Wald in Sicht kam. Wer die Geschichte von Willi (Sir Wilfried im Wald) gelesen hat, weiß, dass mein Mann Förster ist und wir im Wald leben. Für Spaziergänger mit Hund hat er ein eingezäuntes Gelände zur Verfügung gestellt in dem sich beide leinenfrei bewegen können. Das sogenannte „Hundefreilaufgatter“. Hier sollte nun der erste Kontakt stattfinden. Wir hatten Dascha nie zuvor gesehen und waren uns völlig fremd. In mir machte sich der schreckliche Gedanke breit, was sein würde, sollte sie uns völlig ablehnte.  Wie wird Willi auf sie reagieren? Völlige Ablehnung – was dann? Ein Tier ist kein Umtauschobjekt. Alle angeblich so wohl überdachten Entscheidungen zerplatzten mit einem Mal wie tausend Seifenblasen. Es gab kein Wenn und Aber und wir ließen Dascha ins Gatter. Streichelten sie und begannen unseren Spaziergang. Sie folgte uns nicht. Überwältigt von den Gerüchen versank ihre Nase im Gras, Heidekraut, vermoderten Baumstümpfen und fremden Hundespuren. Wir überließen sie ihren Eindrücken und setzten unseren Weg fort. Irgendwann gesellte sie sich wieder zu uns. Schwanzwedelnd. Jetzt war der Moment gekommen, Willi zu holen. Mein Mann war zwischenzeitlich zu uns gestoßen und ließ Willi aus seinem Wagen. Erfreut über Damenbesuch begrüßte er Dascha. Forderte sie zu einem Spiel auf, welches Dascha, zwar fröhlich begonnen, schnell abbrach. Damals glaubten wir noch, es läge an der Hitze und der anstrengenden Autofahrt, die sie hinter sich hatte.


 


Es gab keinerlei Aggressionen und beide stiegen zu mir in den Wagen. Es ging nun endgültig nach Hause. Dass es für Dascha wirklich endgültig sein würde, ahnte zu diesem Zeitpunkt keiner von uns.


 


Auch im Haus gab es zwischen den Hunden keine Probleme. Willi schien mit seiner Pflegeschwester zufrieden. Immer wieder versuchte er ein Spiel mit ihr, doch Dascha lehnte seine Aktivität ab und mir fiel ihre Lahmheit vorne rechts auf. Ich glaubte, Willi wäre wohl doch zu übermütig mit ihr umgegangen und machte mir weiter keine Gedanken.


 


Dascha fand die Hundeplätze von allein, war aber sofort bei mir, sobald ich aus ihrer Sichtweite geriet. Es war rührend, wie sie mir auf Schritt und Tritt folgte und sich an mich schmiegte. Doch ich wusste, wie schrecklich diese Situation für sie war. Völlig übermüdet wollte sie so gerne schlafen, ließ mich aber nicht aus den Augen. Immer startbereit, mir jederzeit zu folgen, war sie in ihrer Verlustangst gefangen.


Die Vernunft löste meine Rührung ab.


Diese ersten Stunden waren meine Chance, sie so schnell wie möglich von ihren Ängsten zu befreien.             


Die Arbeit begann.


Jetzt hatte ich sie im Auge. Jeden meiner Schritte, jedes Entfernen von ihr kontrollierte ich und beobachtete ihre Reaktionen. Ich streichelte sie nicht mehr, wenn sie mir folgte. Ignorierte sie oder schickte sie auf ihren Platz zurück. Dort musste sie dann wenige Minuten bleiben, auch wenn ich mich von ihr ein paar Meter entfernte. Immer wieder hieß es: „Geh Platz und bleib“, bis sie liegen blieb und ich mich aus dem Raum entfernen konnte. Anfangs nur für Sekunden. Ich musste schnellstens zurück sein, um sie liegend für ihre Tapferkeit mit Schmuseeinheiten belohnen zu können. So vergingen der restliche Nachmittag und der ganze Abend. Konsequent war ich nur damit beschäftigt, mich zu kontrollieren. Wann streichle ich sie, wann ist wieder der Moment gekommen, sie ablegen zu können? usw. Nie laut, nie als Befehl, nie strafend. Als würde ich sagen: „Vielen Dank für den Tee“.


Dascha fraß nur, wenn ich bei ihr stehen blieb. Ich ließ dies durchgehen, da sie klapperdürr war. Die Nacht verlief problemlos.


 


Am nächsten Tag ging es weiter. Ich schloss manchmal die Tür und ließ sie mit einem „Bleib“ davor stehen. Werkelte dann laut in der Küche, um nach kurzer Zeit die Tür wieder zu öffnen und ohne sie zu belohnen wie selbstverständlich an ihr vorbei ins Wohnzimmer zu gehen. Manchmal wurde die Tür nur für einen kurzen Moment geschlossen. Das nächste Mal etwas länger. Einmal war es die Küchentür, einmal die Badezimmertür, usw. Und immer, wenn sich die Möglichkeit anbot, übten wir das „Geh Platz und bleib“. 


                                                        Tag für Tag.


Die konsequente Mühe hat sich gelohnt. Nach zwei Wochen versuchten wir, Dascha mit Willi allein zu lassen.                            Nichts geschah.


Nach vier Wochen ließen wir sie ohne Willi allein. Ganz wohl war mir, ehrlich gesagt, nicht. Wer hat schon gern eine zerstörte Wohnung? Doch mein Mann hatte vollstes Vertrauen in sie, es gab keine Alternative.     Nichts geschah.


Nach sechs Wochen ließ ich sie an einem fremden Ort zurück. Sie würde Tage auf mich warten, ohne Schaden anzurichten. Ihre Verlustangst ist dem Vertrauen gewichen, und sie führt heute ein unbeschwertes Leben.


 


Daschas Eingewöhnung erfolgte problemlos. Ich war ihr Frauchen. Mein Mann und Willi interessierten sie weniger. Doch Willi begann uns Sorgen zu machen. Nach ca. einer Woche ließ er Dascha nicht mehr an uns heran. Es blieb nicht nur beim Drohen. Er begann, sie weg zu beißen. Ganz extrem wurde die Situation, wenn es um sein Herrchen ging. Wir konnten ihn, der sei bisheriges Leben in einem Hühnerstall verbracht hatte, so gut verstehen. Endlich frei, endlich das Leben erleben können, mit Menschen, die ihm ihre ganze Zuwendung gaben. Es war klar. Er wollte seine Menschen für sich ganz allein. Aber ich konnte Dascha nicht wie irgendeinen Hund behandeln. Sie lebte mit uns, tat alles, sich für uns unauffällig, in unseren Tagesablauf einzufädeln, und unsere Bindung zueinander wurde von Tag zu Tag stärker. Das, was mit Willi und meinem Mann geschehen war, wiederholt sich jetzt bei Dascha und mir. Mein Mann streichelte Dascha nur noch, wenn Willi außer Sichtweite war. Ausgedehnte Begrüßungen nach unserer Heimkehr vermieden wir. Doch dies war keine Lösung. Also begannen wir, „kontrolliert“ beide Hunde gleichzeitig zu streicheln. Sobald Willi ein leises Unheil verheißendes Grollen verhören ließ, wurde er mit einem „Nun hör aber mal auf, Willi“ von seinem Vorhaben abgelenkt, ohne das Streicheln beider zu unterbrechen. Seine Eifersuchtsanfälle verringerten sich deutlich.


Eigentlich müsste er Dascha dankbar sein, denn sie hat auch für ihn schon am dritten Abend das kleine blaue Sofa als Hundesofa erobert. Sehr zu meiner Verwunderung. Doch wie gebannt verfolgten mein Mann und ich, wie sie ungelenk, aber selbstverständlich hinauf kletterte und sich mit einem lauten, zufriedenen Seufzer darauf nieder ließ. Keiner von uns sprach ein Verbot aus.   Merkwürdig.


Wie Willi ist auch Dascha hoftreu und wie Willi hat auch sie schnell gelernt, dass freilaufende Hühner, Enten, Gänse, Kaninchen und Katzen nicht gejagt werden dürfen. Hündinnen, ob klein oder groß, sind ebenfalls kein Problem für sie.


 


 Daschas Lahmheit war auch nach zwei Wochen noch nicht verschwunden. Sie wehrte weiterhin jedes Spiel mit Willi ab. Weder Stock noch Bällchen interessierten sie. An ausgedehnte Radtouren, wie ich sie mit Willi durch den Wald unternehme, war nicht zu denken. Oftmals brach ich unsere Spaziergänge schon nach 10 Minuten wieder ab, da Dascha nur noch langsam, kraft- und lustlos 1,5 Meter hinter mir ging.


Das Röntgenbild des Beines brachte keine Klärung und das verabreichte Medikament zeigte auch nach einem Monat keine Besserung.


Die Zeit verging und ich begann den Tag zu fürchten, an dem Frau Gorski eine Familie für Dascha finden würde und ich mich von ihr trennen müsste. Sie gehörte einfach zu uns, zu den Menschen, die sie lieb hatten, und zu dem Frauchen, das ihr die Angst vor dem Verlassen werden genommen hatte. Was würde mit ihr geschehen, wenn auch ich sie im Stich lassen würde? Sie konnte ja nicht verstehen, dass eine neue Familie ebenfalls ihr Glück bedeuten könnte. Doch ich dachte auch an Willi und an alle Doggen, die noch auf Pflegestellen warten, um an Leib und Seele geheilt zu werden. Es war eine schwere Zeit. Immer wieder versuchte ich, diese Gedanken zu verdrängen.


Durch einen glücklichen Zufall lernte ich einen Spezialisten, selbst Doggenbesitzer mit viel Erfahrung kennen, der sich besonders auf dem Fachgebiet der Knochenheilkunde hervorgetan hat. Dieser hat festgestellt, dass Daschas Lahmheit eine Schmerzentlastungshaltung des Rückens sei. Er empfahl mir eine Doggentierärztin und erwähnte im Gespräch, dass die Sensibilität der Doggen einen mehrfachen Vertrauensbruch nicht verkraftet.


 


 


Und dann kam er:                 Der gefürchtete Anruf von Frau Gorski


 


Ein Interessent für Dascha hatte sich gemeldet. Meine ersten Worte waren: „Oh, nein“. Wir besprachen meine Sorge um Dascha und um Willi. Trotzdem war ich mit meiner Entscheidung allein und bat, mir noch ein wenig Zeit zu lassen. Doch die Zeit war knapp geworden. Dascha lebte nun schon zwei Monate mit uns. Hatte ihr Frauchen, dem sie bedingungslos vertraute, gesucht und gefunden. Mein Herz konnte sie schon längst nicht mehr gehen lassen.    Wie sollte ich mich nur entscheiden?


 


Die Tierärztin erstellte ein Röntgenbild, das eine „Verknöcherung“ des Rückens erkennen ließ. 2/3 der Wirbelsäule ist befallen. Sie hat ein Kugelherz und ihr bei flüchtiger Zahnbeschau geschätztes Alter ist mindestens sechs Jahre. Das Anheben der Rute war ohne Beißversuch nicht möglich. Dascha würde bis an ihr Lebensende Medikamente nehmen müssen und durch Akupunktur könne der unangenehme Druck des Rückens entlastet werden. 


Mit dieser Diagnose lösten sich alle meine Probleme von allein. Es stand fest: Dascha bleibt in Christianslust. Bei uns, bei Willi, bei mir und ich werde jede tierärztliche Möglichkeit ausschöpfen, ihr ihren Lebensabend so angenehm wie möglich zu machen. Sie wird ihre letzten Jahre glücklich, frei, von allen geliebt und ohne Ängste verbringen, niemals mehr Welpen groß ziehen müssen und endlich wieder Kraft tanken können, um eine rüstige Rentnerin zu werden.


 


Zu Hause teilte ich meinen Entschluss mit. Die Antwort meines Mannes: „Ich weiß“.


 


Und heute: Willi hat erkannt, dass ihm nichts genommen wurde. Sein Herrchen ist sein Herrchen geblieben und Frauchen hat ihn genauso lieb wie vorher. Geschmust wird jetzt umso mehr. Er hat das Wegbeißen durch Wegdrängen ersetzt und freut sich über Dascha, wenn ich mit ihr nach Hause komme. Da Dascha Kräfte sammelt, ist sie heute in der Lage, den Spielaufforderungen unseres Rüpels kurzzeitig zu folgen. Beim Hundespiel ist er wirklich ein Rüpel. Grob, ungestüm. Sich seiner Kraft voll bewusst und diese einsetzend, ist er aber auch in der Lage liebevoll und unterwürfig mit ihr zu kuscheln. Er gibt die Hoffnung nicht auf. Sein Traum ist es, eines Tages mit ihr durch den Wald toben zu können, um dabei Frauchen auf dem Rad keuchend, weit hinter sich zu lassen.


 


Für den Kampf um den Lieblingsplatz hat er sich eine ganz neue Taktik ausgedacht. Wenn Dascha seiner Meinung nach das Sofa schon zu lange in Beschlag genommen hat, fängt er völlig grundlos an zu knurren und erhebt sich ganz langsam, nur darauf wartend, dass Dascha verteidigungsbereit zur Tür stürmt. Und damit hat sie auch schon den Sofaplatz eingebüßt. Sobald sie an ihm vorbei ist, dreht er um und das Sofa hat seinen Besitzer gewechselt.


 


Ich bin heute der Meinung, dass wir Willi einfach überfordert haben. Selbst gerade erst vier Wochen bei uns, in die absolute Freiheit entlassen, ging für ihn alles viel zu schnell.


In meinem ersten Bericht schrieb ich noch unwissend über Futterprobleme. Über Angst vor Wasser usw.. Dann erhielten wir den Bericht der ersten Familie, die Willi aufgenommen hatte, nachdem er aus einem Hühnerstall freigekauft wurde. Es gab dort nur schwarze Erde, Hühner-Hundekot und Wasser aus einem Matschloch. Keinen Saufnapf, keinen Fessnapf und für einen Hund keinen Einlass in das schützende Hühnerhaus. Egal ob Sonne, Wind, Regen oder Schnee. 


Noch heute setzt Willi keinen Schritt vor die Tür, wenn sich ein paar Tropfen aus dem Himmel lösen. Und es muss einen Menschen gegeben haben, der ihn mit Schlägen gequält hat. Warum, ist uns unbegreiflich. Seine riesige Narbe an der Hinterhand ist nicht, wie vermutet, durch Stacheldraht entstanden. Da sind wir uns heute absolut sicher. Für die Waldreiterspiele verwenden wir als Zuschauerabgrenzung dicke Schiffstaue. Allein das Abrollen verunsicherte Willi völlig.


Wir haben Rinder. Wo Rinder sind, sind auch Fladen. Auch Willi lässt sich gelegentlich gern zum Wälzen einladen. Das erstmalige Entsorgen auf seinem Hunderücken hat unseren Verdacht dann bestätigt. Wir holten den Gartenschlauch, säuberlich aufgerollt. Kein Problem. Für Willi schon. Er war nicht, wie üblich, an unserer Seite, sondern stand fluchtbereit in sicherer Entfernung. Wir hatten dies nicht erkannt. Mein Mann ging mit dem lose schwingenden Ende auf ihn zu, Willi verschwand im Wald. Im wahrsten Sinne des Wortes wurde und –schlagartig- bewusst, was wir ihm angetan hatten. Ich glaube, ich brauche nichts weiter zu erklären.


 


Rufen war zwecklos. Mein Mann ging ihm nach. Es hat schon eine Weile gedauert, bis Willi seine Entschuldigung annahm und freudig an der Seite seines Herrchens zurückkehrte. Tolerant, wie Willi nur sein kann, hat er uns diese grobe Unbesonnenheit verziehen. Er ist eben ein Prachtkerl. Natürlich gibt es für Willi immer noch Kuhfladen, aber einen Schlauch wird er bis zu seinem Lebensende nicht mehr zu Gesicht bekommen. Schwamm und Wassereimer erfüllen den gleichen Zweck.


 


Und Dascha:


 


Sie ist einfach mit allem zufrieden. Nicht wie Willi, der sich beleidigt auf das Sofa zurückzieht und mit uns mault, wenn er sein Herrchen einmal nicht begleiten kann. Dascha stört es nicht, wenn Willi und Herrchen ihre Stunden im Wald verbringen. Sie dreht lieber mit Frauchen ihre kleinen Runden und heimst überall Komplimente ein. Selbstbewusst lenkt sie ihr „Willirudel“. Sie bestimmt zum Beispiel, wer zuerst durch eine Tür geht oder wer zuerst nach dem eingeweichten Trockenfutter schauen darf. Ohne jede Aggression, lediglich durch ihre Körpersprache.


Sie folgt mir immer noch. Aber angstfrei, wie jeder Hund, der am Leben seines Herrchens oder Frauchens teilnimmt und fragt: „Was machen wir denn jetzt?“ Dascha frisst ganz normal auch ohne mich. Es begann, als feststand, dass sie in Christianslust bleiben würde.


            Einbildung?


Sie ist der Liebling der Tierarztpraxis. Jeden Montag, wenn wir zur Akupunktur gehen, wartet man schon auf sie, um neue Fortschritte entdecken zu können. Alle sind begeistert von ihr, die mit Nadeln gespickt neben mir liegt, und sich von weiteren Patienten nicht stören lässt.


Schmusen ist ihre Lieblingsbeschäftigung. Sich fest an mich drückend und mich dabei von unten mit dem „Lady Di“-Blick anschauend (man möge mir diesen Vergleich nicht übel nehmen) schafft sie es immer wieder, die nach ihrer Meinung überfälligen Streicheleinheiten einzufordern.


Dascha hat ihr Idealgewicht erreicht. Akupunktur und Medikamente schlagen an. Sie beginnt, ihre Vorhand zu belasten und Muskulatur hat sich entwickelt. Wir können zuschauen, wie täglich Energie und damit mehr und mehr Lebensfreude zurückkehren.


Immer wieder treffe ich auf sogenannte „Hundekenner“, die mich auf meine „Zuchthündin“ ansprechen, die sich durch kraftvollen Körperbau und perfekte Farbgebung auszeichnen  würde, obwohl ihr an Schulterhöhe ein paar Zentimeter fehlten. Dieser „Kennerblick“ für das „Material“ lässt mich immer wieder unfreundlich und abweisend reagieren. Für mich ist sie meine Dascha, die gerne mit ihrem Frauchen spielt. Keine wilden „Willispiele“, sondern vorsichtiges Bedrängen mit übermütigem, aber immer liebevollem Bekauen meiner Hände. So zärtlich wird sie wohl auch mit ihren unzähligen Welpen gespielt haben.


 


 


Meine sanfte Riesin.


 


Sie war Mitte des Jahres läufig. Wohl das erste Mal in ihrem Leben ohne gedeckt zu werden. Doch es hat ihr nichts genützt. Sie ist zurzeit scheinträchtig und hat Milch gebildet. Wieder Medikamente, die ihrer Entwicklung bestimmt nicht dienlich sind. Um weitere Schwierigkeiten zu vermeiden, ist das Entfernen der Gebärmutter notwendig.


 


Jetzt, darüber schreiben, macht sich eine Mordswut in mir breit. Warum sind wir nicht in der Lage, den profitgierigen Züchtern und Vermehrern das Handwerk zu legen?


Wann hört der Mensch endlich auf, seinen treuesten Begleiter wie eine Einwegflasche zu behandeln? Und besonders wütend bin ich über mich, die bequem in ihrem Sessel sitzt. Über Willi, Dascha und sich selbst schreibt, aber nichts unternimmt.


Aber immerhin:


Zwei Doggen haben bei uns ihr Zuhause gefunden. Zwei, die einen absoluten Bund mit ihrem Herrchen und Frauchen eingegangen sind.


 


 


 


Wir sind unheimlich stolz auf sie.


 


 


 


 


 


 


 


Liebe Frau Gorski


 


Thyggo und Thor haben unseren Willi zu sich in den stillen Wald geholt.


 


Unsere Försterei brannte am 1.4. ab.


Da uns danach nur ein kleiner Wohnwagen zur Verfügung stand, brachten wir Dascha und Willi in einer Tierpension unter. Nach über einem Monat konnten wir endlich die beiden zurückholen. Dascha ging es gut, doch Willi wog nur noch 52kg (64kg war sein Normalgewicht). Er hustete leicht und seine Schnauze war fast weiß geworden.


Er hat sein Herrchen unendlich vermisst.


Wir reduzierten seine normale Futtermenge, um seinen Magen zu schonen und er bekam Medikamente gegen seine Erkältung, die sich später als Lungenentzündung herausstellte. Drei Tage ging alles gut, doch dann konnte sein Leben nur noch durch eine Operation gerettet werden. Der vergebliche Versuch, sich zu erbrechen und weißer klebriger Schleim lösten bei mir sofort das Alarmsignal aus. Unsere Tierärztin operierte Willi sofort.


Vier Tage haben Willi und wir um sein Leben gekämpft. Wir glaubten es geschafft zu haben, doch am dritten Tag setzten Fieber und eitriger Nasenausfluss ein. Das Antibiotikum hatte nicht angeschlagen.


Am 4. Tag haben wir den Kampf verloren. Ich wollte mit ihm wie jeden Tag in die Praxis fahren, damit er an den Tropf gelegt werden konnte. Doch diesmal stieg er nicht ins Auto. Ich musste ihn hineinheben. Angekommen stieg er nicht aus. Wir trugen ihn hinein. Das Fieber war gestiegen. Ich saß wie immer bei ihm, hielt seine Pfote um die Kanüle zu stabilisieren, den anderen Arm an seinem Kopf, um ihm nah zu sein. Wie er es so fixiert, schaffte seinen Kopf in meinen Arm zu kuscheln, kann ich nicht sagen. Aber er schaffte es, und ich legte meinen Kopf an seinen und begann zu weinen. Ich spürte seinen Abschied. 2 Stunden lag er geduldig da. Zu Hause stieg er nicht auf sein Sofa, sondern legte sich auf seine Matratze und wartete. Dann kam sein Herrchen und fragte mich, warum ich so blass sei. Willi richtete sich auf. Herrchen nahm ihn in den Arm und Willi folgte Thyggo und Thor in den stillen Wald.


 


Das Schuldgefühl wird verblassen. Die Erinnerung an unseren treuen Begleiter ist beständig.


Sein Leben lang hat Willi darauf gewartet, seine Treue seinen Menschen schenken zu können, und er hat Stunden gewartet, um sich treu von seinem Menschen zu verabschieden.


Willi lebt in unseren Herzen.


Er ist im Märchenwald begraben.


 


Die Bilder aus unserer glücklichen Zeit haben Sie von uns bekommen, und so sollen Sie nun auch die letzten Aufnahmen von Willi erhalten, die wir am ersten Tag machten, nachdem er wieder zu Hause war. Sie zeigen den Wohncontainer, in dem wir Platz hatten unsere Schnuten zurückzuholen und Willi auf seinem Sofa, grau geworden, aber endlich wieder bei seinen Menschen.


 


Ihre Försterfamilie


 

by Lydia Muus E-Mail        

Erinnerungen
Doggen DramaDonnerstag 30.Dezember.2010 21.21

Doggen-Drama


 




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Bohling-Zwinger  im Kreis Diepholz (1999)


Ich erinnere an die Doggen  des Bohling-Zwingers vor über zehn Jahren. 


Diese Erlebnisse und Erfahrungen dort haben mein Denken und meine Handlungsbereitschaft  nachhaltig  geprägt, ich wurde in Wut und Verzweiflung gestürzt, aber daraus entstand immer von Neuem Mut und Kraft, um Doggen, die ich so sehr liebe, aus elenden Lebensbedingungen zu holen.


So gilt diese Erinnerung den Doggen, die ich dort gesehen, gefühlt und gestreichelt, die ich mit ins Freie getragen habe und in mein Auto legen konnte. Noch heute bin ich beindruckt von dem Überlebenswillen dieser Hunde. Auch dieses Wissen bleibt ein Geschenk, das unzerstörbar ist.


Diese Erinnerung ist aber auch gedacht für die vielen Doggen fern von diesem Diepholz. Für die Doggen, die irgendwo im physischen und psychischen Elend leben müssen, weil Menschen es so mitleidslos geschehen lassen. Es ist eine Erinnerung an unsere nie endende Schuld, immer zu wenig getan zu haben.


Gedacht ist diese Erinnerung aber auch als eine Hommage an die Menschen, die damals nicht vor dem Elend weggelaufen sind und laut geklagt haben, die ihren Blick nicht abwandten, sondern aktiv tätig wurden. Auch heute weiß ich von diesen Menschen unter uns und ich bin dankbar, dass es sie gibt.


Die folgenden Texte stammen aus den Tätigkeitsberichten 2000 und 2001 der Doggen-Nothilfe


„Dann brach dieses Hundeelend im Vermehrungsbetrieb eines ehemaligen Doggenzüchters in Niedersachsen über mich herein. Erst spät habe ich davon erfahren, zu einem Zeitpunkt, als andere private Tierschützer dort schon unermüdlich tätig waren, um Doggen aus dieser Hölle freizukaufen. Vertreter von Veterinärbehörden und staatlichem Tierschutz blieben untätig, obwohl das Elend dort sei Jahren bekannt (und aktenkundig) war. Mindestens 150 Doggen in engen Käfigen, teilweise ohne Tageslicht, in einer dicken Schicht aus Kot und Urin stehend, abgemagert, voller Bißverletzungen und blutig gekratzt. Ausgemergelte Mutterhündinnen mit zehn und mehr Welpen mit schweren Entwicklungsdefiziten.


Bei ersten Mal kauften Freunde von mir INKA und CARLO frei. Inka, eine kleine verhungerte schwarze Hündin, höchstens zwei Jahre alt. Durch viele Trächtigkeiten gezeichnet, wahrscheinlich wurde sie schon bei der ersten Läufigkeit (mit ca. 9 Monaten) belegt, sie ist dann nicht mehr weiter gewachsen. Inka war voller Bißverletzungen, voller Flöhe und kahler Stellen im glanzlosen Fell, entzündete Augen und Milben in den Ohren. Die Hündin war tagelang völlig erschöpft, musste immer wieder getragen werden. Bei Annäherung eines Menschen dieses Kriechen auf dem Boden, als wolle sie sich noch kleiner machen. Inka hat Menschen gefunden, die sie zunächst als Pflegehund aufgenommen und jetzt adoptiert haben (10/99).



Dann CARLO, er war zusammen mit fünf weiteren Doggen ähnlichen Alters in einem etwa 9m2 kleinen Käfig eingesperrt. Die Hunde versuchten in dem Schlamm aus Kot und Urin eine trockene Stelle zu finden, um die Pfoten darauf zu setzen. Sein ganzes bisheriges Leben hatte Carlo so gelebt. Er und alle weiteren Hunde hatten nie ihren Käfig verlassen, waren namenlos, kannten kein Halsband und keine Leine und keinerlei Umwelt, außer diesen Gefängnissen in Dreck und Enge und Hunger. Er musste ins Auto getragen werden, da er außerhalb des Käfigs nur auf dem Boden kroch und sich in eine Ecke verkriechen wollte.


Dann hole ich ELSA und MAJA, auch sie in einem Käfig innerhalb eines Stalles. Auch sie mussten ins Auto getragen werden. Elsa war im Auto bei der mehrstündigen Fahrt ganz ruhig, ich hielt dies zunächst für ein Zeichen ihrer Gelassenheit. Erst später habe ich begriffen, dass Elsa, eine gelbe Hündin, ca. 18 Monate jung, völlig in Angst erstarrt war. Maja, eine schwarze ca. 2-jährige Hündin, bellte aus dem Auto heraus alle Bäume, Häuser und Autos an, so etwas hatte sie noch nie gesehen. Beide Hündinnen mussten aus dem Auto in die Tierpension, in der sie zunächst aufgenommen wurden, getragen werden. Elsa hat drei Tage lang auf ihrer Matratze gelegen ohne einmal aufzustehen, sie hat keine Nahrung zu sich genommen und auf ihr Lager gepieschert. Dann stand sie ab und zu auf, wenn keine Menschen in der Nähe waren, traute sich aber tagelang noch nicht, durch eine ständig offene Tür den Auslauf mit Sandboden zu betreten. Manchmal stand sie an der Tür, wagte aber nicht den Schritt hinaus. Sie zitterte am ganzen Körper, wenn sich ein Mensch näherte, schien aber doch ein sanftes Streicheln zu genießen. Nach Tagen hörte das Zittern auf, Elsa begann etwas zu essen, wenn sie ohne Menschen im Raum war. Nach einer Woche betrat sie den Auslauf zusammen mit den anderen Doggen.


Für Elsa haben sich Menschen gefunden, die sie adoptiert haben, die sehr bewusst bereit sind, das notwendige Ausmaß an Geduld und Zuwendung einzusetzen, um mit dieser Hündin zusammenzuleben.


Dann sah ich MIMI, verhungert, fast ohne Fell, nur am Kopf war sie noch als schwarze Dogge erkennbar, blutig zerbissen und zerkratzt am ganzen Körper, mit einem Blick von unendlicher Traurigkeit und Hoffnungslosigkeit. Ich konnte Mimi, und dazu die ebenfalls abgemagerte und extrem verstörte schwarze RUNA, beide höchstens 2 Jahre alt, kaufen. Beide Hunde ließen sich in ihrem Käfig nicht einfangen, das Anlegen der Halsbänder war wie das Einfangen wilder menschenscheuer Tiere. Sie verkrochen sich an alle verfügbaren Ecken und Winkel, begannen sich in Panik gegenseitig zu beißen. Letztlich mussten beide Hündinnen mit zugebundener Schnauze in mein Auto getragen werden. Dort beruhigten sie sich etwas während der stundenlangen Fahrt. Sie verließen das Auto nicht freiwillig, mussten wieder in die Tierpension getragen werden.



Wenige Tage später holte ich noch die junge gelbe FLAVIA, auch sie gänzlich verhungert und verstört. Inzwischen sind 6 Doggen (5 Hündinnen und 1 Rüde) zusammen in dem Doggenzimmer mit Auslauf, keine Aggressionen untereinander.




Elsa, Maja, Runa und Inka, alle sind in einem liebevollen und verständnisvollen Zuhause in wenigen Tagen (Wochen) fast stubenrein geworden, wenn sie jederzeit ins Freie können; sie gehen neben ihren Menschen an der Leine, schlafen auf ihren Hundematratzen neben ihren Menschen und lernen immer mehr, an der Menschwelt teilzunehmen. Wie tief die psychischen Verletzungen sind und welche Narben letztlich zurückbleiben, wissen wir noch nicht. Aber welch eine bewundernswerte Leistung dieser Doggen, welch ein Triumph von Lebenswillen, Anpassungsfähigkeit, Lernvermögen und Bedürfnis nach sozialer Zugehörigkeit zu Menschen (auch ein Indikator für ihre Entwicklungshöhe).


 


Es war, als hätten diese geschundenen Doggen nur gewartet in all ihrem Elend, dass irgendwann dieser Traum, neben einem geliebten Menschen gehen und mit in seiner Menschenwelt leben zu dürfen, erfüllt würde.


 


In einem Käfig fast ohne Tageslicht sah ich eine Dogge, die ich wegen der Dunkelheit nicht richtig erkennen konnte. Auf Nachfrage erfuhr ich, dass LIVIA (sie hatte als einzige, der von mir freigekauften Doggen einen Namen) an Krebs erkrankt sei. Ich fand eine aktive Tierschützerin, die Livia in ihr Haus aufnehmen wollte, trotz oder gerade wegen ihrer schweren Erkrankung. Als Livia aus der Dunkelheit herausgeholt wurde, ging sie aufrecht an der Leine und freudig mit ins Auto. Sie war verhungert und ungepflegt, aber wirkte nicht körperlich krank. Diese Hündin soll früher mit auf Hundeausstellungen gewesen sein. Livia ist von der ersten Minute an glücklich in ihrem neuen Zuhause gewesen.


Schlimmer als diese abgemagerten großen Hundekörper, als die zerkratzte und zerbissene Doggenhaut, als das schuppige Fell und die Liegeschwielen ist die psychische Verstörung dieser Doggen. Sie kriechen auf dem Boden, versuchen panikartig unter Regalen und zwischen Möbeln oder Kisten Schutz zu suchen. Sie stehen zitternd in den Ecken von Räumen mit dieser Verzweiflung im Blick. Doch dann, wenn ein Mensch neben ihnen sitzt, sie behutsam streichelt, taucht etwas Hoffnung in ihnen auf. Elsa begann dann fast unmerklich die Schwanzspitze zu bewegen.


Alle diese Hunde haben in meiner Wahrnehmung nichts von ihrer Schönheit und ihrer Würde verloren. Ich habe in den letzten Jahren mit vielen dieser geschundenen Doggen (manchmal waren es zwei) tausende von Kilometern in meinem Auto zurückgelegt. Niemals hat einer dieser Hunde auch nur einen Hauch von Aggressivität mir gegenüber gezeigt. Alle haben mein Auto als Ort der Sicherheit und Zuflucht lieben gelernt und das ist so geblieben.


Mit der häufig zu hörenden Aussage von Vertretern staatlicher Behörden, dass eine Anzeige beim Veterinäramt in einem Fall tierquälerischer Hundehaltung die einzige richtige Vorgehensweise sei, werden viele ahnungslose Mitbürger in die Irre geführt (und ruhig gehalten).


Das ist definitiv nicht der Fall. Wir, die wir seit Jahren aktiv im Tierschutz tätig sind, wissen dies aus unzähligen Erfahrungen und wir zerbrechen fast daran. Von Veterinärbehörden erfolgt regelmäßig nach einer Anzeige der Hinweis, dass die gesetzlichen Grundlagen nicht ausreichen seien, um tätig zu werden. In diesem konkreten Falle in Niedersachsen ist es durch einen umfangreichen Schriftverkehr belegt, dass seit Jahren diese Missstände bekannt sind, und dass seit Dezember 1998 Anzeigen mit detaillierten Schilderungen bei der Veterinärbehörde vorliegen. Es ist in all diesen Monaten nichts zur Verbesserung der Lebenssituation der Hunde getan worden. Wir wissen nicht, wie viele Hunde in dieser Zeit elendig gestorben sind. Es ist nicht so, dass die Alternative zum Freikauf eine Anzeige bei der Veterinärbehörde ist, mit der Hoffnung, dass hier irgendetwas Hilfreiches für die Hunde geschieht. Es ist vielmehr so, dass dieses Ausmaß an Untätigkeit, an Unengagiertheit und teilweise auch Ahnungslosigkeit mich und auch andere fast zum Verzweifeln bringt. Natürlich ist Freikauf keine grundsätzliche Lösung dieses und vergleichbarer Probleme, aber es wird damit mindestens erreicht, dass einige wenige Hunde aus dieser Qual befreit werden.


Veterinärbehörden werden wohl tätig, wenn ein Tier halb tot ist oder Hygienevorschriften grob verletzt werden (wobei in diesem Falle nicht einmal das zu einer Veränderung der Situation führte). Es werden Quadratmeterflächen von Zwingern berechnet, aber die Psyche der Hunde kommt hier nicht vor. Trotz sicher unbefriedigender gesetzlicher Vorgaben, die aber alle auch ein Ermessensspielraum beinhalten, wäre mit etwas mehr Engagement, mit mehr Sachkunde und vor allem mit einem Hauch von Zivilcourage sicher einiges mehr zu erreichen.


Wir sind nicht die durchgeknallten Frauen, die ein bis zwei Hunde freikaufen und dies dann der Öffentlichkeit präsentieren, vielleicht noch zur Selbstdarstellung. Uns sitzt das blanke Entsetzen und Verzweiflung im Nacken angesichts dieses und anderen Tierelends bei gleichzeitiger weitgehender Untätigkeit aller zuständigen Behörden.


Inzwischen sind keine Hunde mehr in diesem Elendsbetrieb. Erst unter dem ständigen Anzeigendruck, dem Einsatz von Medien und vielen privaten Aktionen ist endlich der deutsche Tierschutzbund dort auch tätig geworden. Viele Doggen wurden von einzelnen Tierheimen aufgenommen. (10/99).


Und dann kamen die Rückmeldungen von den Menschen, die einen dieser verstörten und geschundenen Doggen zu sich genommen haben. Besondere Menschen mit einem hohen Maß an Verantwortungsbereitschaft, an Geduld und Zuneigung zu diesen Hunden. Jede Woche trafen neue Berichte bei mir ein:


Nach Wochen des Verkriechens bewegt sich ANGIE (Runa) jetzt manchmal frei im Raum, FLAVIA lässt sich nach Monaten erstmals von einem vertrauten Menschen anfassen, ELSA geht mehr als 10 Schritte hintereinander aufrecht, statt immer nur auf dem Boden zu kriechen, MIMI beginnt ihre Umgebung neugierig zu erkunden, sie fängt an zu spielen und Löcher zu buddeln.


Alle diese Hündinnen suchen jetzt innigen Körperkontakt zu ihren Menschen, sie kuscheln und schmusen in einem ungeheuren Nachholbedarf. Und dennoch sind diese Hunde durch ihre schwer traumatisierenden Lebensbedingungen gezeichnet, es bleibt eine leicht zu aktivierende Urangst, ihren Menschen und das Zuhause zu verlieren, das macht sie so störbar und verletzlich und so unendlich liebenswert.


Es müsste mehr von solchen Menschen geben (nicht nur für unsere Hunde), die so viel Geduld und Mühe einsetzen, dann aber überreich belohnt werden.


Für mich stehen hinter diesen Berichten immer noch die Bilder, die ich nie mehr ablegen kann:


CARLO, der nicht einmal stehen konnte und in das Auto getragen werden musste, seine blutunterlaufenen Augen, seine Liegeschwielen und blutig zerkratzen Hautbereiche, seine wochenlang anhaltende Übererregtheit. Er sprang nur hin und her, fand selbst beim Streicheln, das er zuließ, keine Ruhe. Schon wenige Stunden nach der Kastrationsnarkose begann er wieder seine Matratze zu zerfressen. Bei der Kastration wurden auch seine Augen (starkes Entropium) operiert.


 


Und dann kam Christa, sie hatte von unserer Doggen-Nothilfe gehört, unsere Berichte gelesen, und dann (so habe ich später erfahren) zu ihrem Mann gesagt: „Jürgen, da müssen wir hin und den Carlo holen“ (sie hatte zuhause bereits 3 Doggenhündinnen). Carlo trug noch den Trichter, ca. 5 Tage nach der Kastration und Augenoperation, die Fäden waren noch am Auge sichtbar, er konnte erstmals seine Augen ganz aufmachen. Wichtig war für Christa nicht Carlos schiefe Schädeldecke (Folge einer schweren Schlagverletzung als Welpe) und die immer noch zerkratzte und zerbissene Haut, sondern „seine wunderschönen Rehaugen“. Ich werde die Verwandlung dieses Hundes nie vergessen: er, immer wild und ruhelos, hielt seinen Kopf in Christas Händen und wurde ganz sanft und weich, in diesen Minuten geschah das, was wir, die wir mit unseren Hunden zusammenleben, alle kennen und was so wenig verwortbar und belegbar ist: Der Beginn einer Beziehung, die für mich zu den intensivsten emotionalen Bindungen dieser Erde gehört: eine Hunde-Mensch-Beziehung.


 


Wochen zuvor hatte Carlo zusammen mit AIKA (beide erfüllt von dem Bedürfnis – fast sollte ich sagen: Gier nach Anerkennung, Zuwendung und Sicherheit von einem Menschen, ganz allein und ausschließlich), sich auf eine ganz untergeordnete und verängstigt Hündin Flavia (auch eine Bohling-Hündin) gestürzt und diese gebissen. Aika war einfach durch lautes Schreien zu verjagen, aber ganz anders Carlo, er hatte sich in die Hündin verbissen und sein Kiefer musste mit einer Stange aufgebrochen werden. Die Verletzungen Flavias waren nicht schwer, aber für die ohnehin verängstigte Hündin ein Schock, an dem sie lange trug. Bei mir machte sich zunächst Entsetzen breit: ein junger Rüde greift eine gänzlich verschüchterte Hündin an und verbeißt sich in diese. Alle befragten Hundeexperten rieten dazu, den Carlo einzuschläfern. Doch dann begann ich das Geschehen und die psychische Gesamtsituation dieses Hundes zu rekonstruieren.


Carlo hatte sein ganzes bisheriges kurzes Leben (ca. 12 Monate) in dem Käfig der sogenannten „Rotaugen“ bei Bohling verbracht. Wenige Quadratmeter Dreck und Schlamm, ständige Beißereien unter den verzweifelten Hunden. Nur der, der sich durchsetzen konnte, bekam etwas von dem wenigen Futter, alle Regeln eines sozialen Hundekodex mussten außer Kraft gesetzt werden. Und dann plötzlich ist diese Qual zuende, es gibt genügend Futter und etwas Auslauf und einen weichen Schlafplatz. Und es gibt Menschen, die mit ihm reden, ihn streicheln und Anteil an ihm nehmen. Aber auch die anderen geschundenen Hunde suchen gierig nach dieser Zuwendung, und diese rasende Eifersucht wird bei Aika und Carlo übermächtig, denn Flavia hatte zu dem Zeitpunkt des Geschehens zwei Frauen als „Patentanten“, und diese besuchten Flavia und dann schlugen Aika und Carlo zu. Ich denke, Carlo hat in seinem bisherigen Leben gelernt, sein „Opfer“ nicht vorschnell loszulassen, vielleicht war er auch noch zu sehr ein Hundekind (wenn auch groß und stark) und viel zu wenig ein Rüde, um die übliche Rücksicht auf eine Hündin zu nehmen. Die Idee,  Carlo zu töten, habe ich verworfen. Heute schäme ich mich fast, diesen Gedanken ernsthaft verfolgt zu haben. Aber mir ist eine wichtige Erkenntnis daraus geworden: Ein Charakteristikum der Hunde wie aller Säugetiere, einschließlich des Menschen, besteht darin, dass ihr „Wesen“ immer das Ergebnis eines komplizierten Wechselwirkungsprozesses von genetischer Disposition (teilweise auch biologische Grundausstattung) und lebensgeschichtlichen Erfahrungen sowie der Interpretation aktueller Gegebenheiten darstellt. Carlo hat in schwer traumatisierenden Bedingungen leben müssen und sein Gehirn hat unter diesen pathologischen Bedingungen anfangen müssen, pathologisch zu funktionieren (im Sinne von LURIA), was unweigerlich auf der Verhaltensebene zu schweren Abweichungen führte.


 


Wir als Menschen sind die Schuldigen.


 


 Vielleicht sind Doggen in ihrer Sensibilität und Sehnsucht nach Menschenkontakt noch störbarer als viele andere Hunde und verhalten sich dann in ihrer Verzweiflung  scheinbar aggressiv, was in einem anderen Lebensumfeld, das ihnen Sicherheit und Zuwendung im Schutz eines verlässlichen Mensch bietet, sich nie wiederholen wird.“


Eva Gorski / Doggen-Nothilfe

by webmaster E-Mail        

Erinnerungen
Petja ist totMontag 13.Dezember.2010 19.17

Wir haben in vierzehn langen Tagen und Nächten um Petjas Leben  gekämpft und wir haben verloren. Wir haben diesen Kampf aufgenommen, wir zwei immer wieder hoffende Menschen zu denen Petja gehörte, eine tapfere Dogge und ein großartiges Team einer Tierklinik, davon will ich berichten:


Petja war ein wunderschöner, lebendiger und lernbegieriger, kuscheliger und agiler Doggenrüde von gerade 11 Monaten.


 


Es begann mit anfangs milden Symptomen wie Räuspern, leichter Husten. Zunächst wurde Zwingerhusten ausgeschlossen und es war von einer Infektion der oberen Atemwege die Rede. Doch die zur Stärkung des Immunsystems eingesetzten Medikamente brachten keine Besserung. Wenige Tage später ein weißer Nasenausfluss und viel Auswurf beim Husten. Schnell hinzu kam eine ausgeprägte Mattigkeit unseres sonst so lebendigen Hundes. Eine Röntgenaufnahme brachte das Ergebnis einer schweren Lungenentzündung. Petja schlief fast den ganzen Tag und verweigerte Essen und Trinken. Immer deutlicher wurden die lauten Atemgeräusche. Immer noch als inneres Bild in mir: Petjas hochgereckter Kopf um möglichst viel Sauerstoff zu bekommen, dieses geliebte Hundegesicht mit seinen dunklen Augen und langen Ohren mit diesem Ausdruck von Hilflosigkeit.


 


Die Infusionen (Antibiotika, Glukose u.a.) liefen stundenlang den ganzen Tag über in der Klinik. Ein weiteres Röntgenbild und eine Ultraschallaufnahme ergab eine erneute Verschlechterung. Grosse Teile der Lunge waren irreversibel geschädigt.


 


 


 


 


 


 


Wir waren anfangs tagsüber und dann in den letzten Tagen auch nachts mit ihm in der Klinik. Es wurde uns ein separater Raum zur Verfügung gestellt, den wir mit unseren Matratzen und Kissen und Decken auslegen konnten. Wir konnten jederzeit tags und nachts einen Arzt/Ärztin innerhalb von Minuten heranrufen und die hilfsbereiten fachkundigen Pflegerinnen haben unzählige Male die Kanüle durchgespült, die Infusionen überwacht und den Petja  immer wieder an die Schlauchsystem an – und abgekoppelt, damit er kurz zum Pipimachen rausgehen konnte.


In den letzten drei Tagen sank unsere Hoffnung immer mehr, den Petja am Leben zu erhalten. Dennoch, wir bekamen eine Sauerstoff-Flasche mit einem langen Schlauch, den wir vor die Hundenase halten konnten und der Klinikleiter brachte von zuhause ein Inhalationsgerät seines kleinen Sohnes. Und unser Petja musste die vernebelten Antibiotika einatmen. Es waren letzte verzweifelte Versuche, doch noch eine Wende einzuleiten.


 


Zwei Tage vor Petjas Tod gab es eine so entsetzliche Nacht mit schweren Atmungsstörungen trotz fast ständiger Sauerstoffzufuhr. Die heran gerufene Ärztin war lange bei uns, spritzte weitere Medikamente zur Atmungserleichterung und Diazepam. Wir konnten uns noch nicht entschließen, unseren Hund zu töten. Am Morgen trat eine leichte Besserung ein, zum ersten Mal seit Tagen nahm Petja ein kleines Stück von meinem trockenen Dinkelkuchen und seine Augen hatten ein wenig neuen Lebensmut. Noch einmal durften wir nachmittags einige Stunden mit unserem Hundekind nachhause fahren. Ins Auto konnte er nur noch über die Einstiegshilfe, die er aus seiner Welpenzeit kannte, steigen. Er trug wie immer in den letzten Tagen, die Kanüle in der Vene mit dem roten Verband um die Pfote. Zuhause legte er sich auf unser Sofa und schlief, der Garten interessierte ihn nicht mehr. Am späten Nachmittag fuhren wir in die Klinik zurück. Noch einmal liefen stundenlang die Infusionen. Fast ständig hielten wir den geöffneten Sauerstoffschlauch vor seine Nase, aber sein Atem wurde immer mühsamer. Mein Ohr an seinem mageren Körper hörte einen entsetzlichen Blasebalgton, der nicht mehr beeinflussbar schien. Um Mitternacht riefen wir die Ärztin, um ihm die tödliche Injektion zu geben.


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


Alle beteiligten Ärzte (und es wurden mehrfach andere Fachärzte zur Beratung herangezogen) betonen, dass es sich bei Petja um eine sehr schwere Lungenentzündung gehandelt habe durch die schnell große Teile der Lunge irreversibel geschädigt waren. Möglicherweise hat eine vorhandene Immunschwäche diesen tödlichen Verlauf begünstigt. Der anfängliche Verdacht auf einen Tumor ließ sich nicht bestätigen.Labore konnten schon am  dritten Krankheitstag keine Keime nachweisen. Wahrscheinlich waren diese zu diesem Zeitpunkt schon durch die hohen Antibiotikagaben vernichtet.


 


Das gesamte Klinikteam hat mit uns - meiner Lebenspartnerin und mir- um das Überleben unseres Hundes gekämpft. Und Petja selbst, der bis dahin ein eher schwieriger Hund in bezug auf tierärztliche Behandlungen war, war ein unendlich geduldiger und kooperativer Hund, ein starkes Hundekind, das mit uns um sein Leben kämpfte. Wir haben verloren.


 


Aber wir haben die Erfahrung gemacht, dass es eine Tierklinik , in meiner Nähe, gibt, die nicht nur einen 24-stündigen Notdienst aufrechterhält, sondern in der ein Klinik-Team tätig ist, mit Menschen ,die akzeptieren, dass ein kranker Hund nicht noch zusätzlich dadurch gestresst werden muss, dass seine Menschen ihn in Stich lassen d.h. „stationär“ abgeben. Dieser unser Wunsch, ständig bei unserem kranken Hund zu sein, wurde nicht nur akzeptiert, sondern intensiv unterstützt.


 


Wir bekunden unsere Anerkennung für diese in dieser Klinik erlebte seltene Kombination von Engagement, fachlicher Kompetenz, Empathie und Verständnis für eine enge Hunde-Mensch-Beziehung. Ein herzliches Dankeschön.


 


Mit uns lebt jetzt die junge Doggenhündin NORA und in ihr leben all die anderen Doggen, mit denen ich Wegstrecken meines Lebens zusammen sein durfte, weiter. Auch derPetja ist in ihr noch viel bei uns.


 


Das ist die Klinik: Tierklinik Wahlstedt,


                              Wiesenweg 2 -.8


                              23812 Wahlstedt,


                              Tel. 04554-2227


Eva Gorski – Doggen-Nothilfe


                                                     Oktober 2007

by Lydia Muus E-Mail        

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